„Eine Botschaft für die Ewigkeit“, Wina

19.08.2013

Projekt Beschreibung

„Eine Botschaft für die Ewigkeit“
Posted 19. August 2013 by Onlineredaktion in Kultur
Der kroatische Filmproduzent und zweifache Oscar-Preisträger Branko Lustig  kommt 20 Jahre nach der Weltpremiere von Schindlers Liste im September zum LET’S CEE -Filmfestival nach Wien. Er wird dabei mit einem Lifetime Achievement Award ausgezeichnet und sein Festival des Jüdischen Films sowie das Projekt Shoah Foundation vorstellen. Ein Interview von Magdalena Żelasko und Wolfgang P. Schwelle.
wina: Herr Lustig, heuer vor 20 Jahren war die Weltpremiere von Schindlers Liste, die Sie erfolgreich mitproduziert haben. Wann haben Sie zum ersten Mal von diesem Projekt erfahren?
Branko Lustig: Thomas Keneallys gleichnamiges Buch ist 1982 erschienen, das habe ich natürlich sofort gelesen. Aber auch davon, dass es verfilmt werden soll, habe ich sehr bald erfahren. Damals kamen nämlich die Vertreter von Metro-Goldwyn-Mayer mit einem Skript von Schindlers Liste nach Zagreb und suchten hier nach passenden Locations. Universal hatte zu diesem Zeitpunkt noch keine Rechte an dem Film gehabt und Steven Spielberg wollte ihn sowieso nicht machen, da er sich dazu nicht bereit fühlte. Deswegen hat er die Idee dann an Martin Scorsese abgetreten und es gleich wieder bereut, nachdem Steven Zaillian ihm ein ausgezeichnetes Skript zeigte. Es war allerdings nicht leicht, von Scorsese das Projekt zurückzubekommen. Erst nachdem ihm Steven Spielberg im Tausch die Rechte an Kap der Angst angeboten hat, ließ er sich dazu überreden.
wina: Erinnern Sie sich noch an das erste Gespräch mit Steven Spielberg?
BL: Als ich erfahren habe, dass er doch wieder an dem Projekt arbeitet, wollte ich unbedingt mitmachen und bin direkt in sein Büro marschiert. Aber natürlich hatte ich damals keine Chance, mit ihm persönlich zu sprechen. „Wir rufen Sie zurück“, sagte man mir und ich habe gewartet. Und gewartet. Rund zwei Jahre hat es gedauert, ich habe inzwischen sogar ein paar andere Filme gemacht, bis plötzlich der Anruf kam: Steven Spielberg will Sie sehen. Zum Glück konnte ich ihn dann sofort überzeugen, dass ich für dieses Projekt der Richtige bin!
„Es geht um die Bedeutung von Toleranz und Menschlichkeit. Das ist die zentrale Botschaft.“
wina: Sie waren als Bub einige Jahre in Auschwitz und Bergen-Belsen interniert. Wie war es für Sie, für die Dreharbeiten nach so vielen Jahren dorthin zurückzukehren?
BL: Schindlers Liste war nicht mein erster Film über die Schrecken des Zweiten Weltkriegs, auch die Serie Feuersturm und Asche und andere Produktionen haben davon gehandelt. Doch diesmal war das wirklich ein unheimliches Gefühl, denn wir haben an vielen authentischen Locations gedreht, vor allem in Krakau. Nur in Auschwitz nicht. Dort haben wir in der Nähe eine originaltreue Kulisse nachgebaut.
wina: Ihre Dankesrede bei der Oscar-Verleihung war sehr bewegend. Sie haben den Film dabei all jenen gewidmet, die den Horror der Konzentrationslager nicht überlebt haben.
BL: Ich habe versprochen: Wenn ich befreit werden sollte, dann werde ich die Geschichte jener Menschen erzählen, die dort gestorben sind. Und das habe ich auch getan und tue ich immer noch. Viele im KZ hatten vor allem einen Wunsch: Die Welt sollte von ihrem Schicksal erfahren, damit ihr Leiden nicht umsonst war.
wina: Anlässlich des 20-jährigen Jubiläums der Weltpremiere wurde Schindlers Liste von Universal vor Kurzem in einer restaurierten Fassung als Blue Ray auf den Markt gebracht. Wie aktuell ist die Botschaft des Films heute noch?
BL: Der Film erzählt zwar vom Holocaust und von Oscar Schindler, doch eigentlich geht es um die Bedeutung von Toleranz und Menschlichkeit. Das ist die zentrale Botschaft, und diese Botschaft ist für alle Ewigkeit gültig. Und damit ist Schindlers Liste auch ein Film für die Ewigkeit. Wir haben ihn ja gedreht, weil wir einen Beitrag leisten wollten, damit so etwas nie wieder passiert. Uns ist es daher wichtig, dass den Film vor allem auch junge Menschen sehen.
wina: Fremdenfeindlichkeit und Rassismus greifen in Europa wieder mehr und mehr um sich. Was sagen Sie zu diesen Entwicklungen?
BL: Ich beobachte sie natürlich mit zunehmender Besorgnis. Immerhin beeinflussen rechtsextreme Parteien mittlerweile schon in einer Reihe von Ländern, wie in Ungarn, in Litauen, der Slowakei, Rumänien, Bulgarien oder auch in Österreich, immer mehr Menschen, und da vor allem auch die junge Generation.
wina: Was kann man dagegen tun?
BL: Mehr Zeit und Geld in die Bildung und Aufklärung investieren. Vor allem in die junger Menschen. Wenn man junge Menschen heute auf der Straße fragt, was der Holocaust war, wer Hitler war, was Faschismus bedeutet, kriegt man oft eine falsche oder gar keine Antwort. Entweder wissen sie nicht, worum es geht, oder sie haben es schon wieder vergessen. Manche behaupten sogar, der Holocaust sei nie passiert. Dass man darüber überhaupt diskutieren muss, zeigt, dass hier sehr viel schief läuft. Wenn ich aber einen alten Menschen frage, dann höre ich: „Das weiß ich doch!“ Oder sogar: „Das habe ich doch mit eigenen Augen gesehen.“ Auch aus diesem Grund ist es wichtig den Dialog zwischen den Generationen zu fördern, junge und alte Menschen zu vernetzen.
„Mehr Zeit und Geld in die Bildung und Aufklärung investieren. Vor allem in die junger Menschen.“
wina: Im ganz großen Rahmen macht das auch die Shoah Foundation, die Sie zusammen mit Steven Spielberg gegründet haben. Wie kamen Sie auf diese Idee?
BL: Wir haben vor rund zwanzig Jahren, gleich nach der Premiere von Schindlers Liste, im Flugzeug zwischen Krakau und Los Angeles zum ersten Mal da­rüber gesprochen. Unser Ziel war es, die Erfahrungen aller Holocaustüberlebenden zu dokumentieren. Damals lebten noch rund 350.000 Zeitzeugen. Sie alle zu befragen, war aus finanziellen Gründen leider nicht möglich, letztendlich haben wir aber über 50.000 Personen interviewt und gefilmt. Heute ist die Shoah Foundation die größte multimediale Sammlung von Zeitzeugnissen der Holocaustüberlebenden weltweit. Unser Wunsch ist es, dass man diese Aufnahmen im Unterricht verwendet. Inzwischen ist das Projekt mit einer Reihe von Universitäten vernetzt, von London bis Berlin. Es wäre gut, wenn da auch in Österreich etwas weitergehen würde.*
* Dieses Interview erscheint in voller Länge in der Wiener Zeitung.

Projekt Details

  • Datum 6. Juli 2016
  • Tags Pressearchiv 2013

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